Watchmen – Die Wächter
by Pfirsich

Viel wurde gemunkelt und geflüstert über Zack Snyder’s Comic-Verfilmung Watchmen. Es hagelte grandiose Kritiken, und nun schreibe auch endlich ich, der einzige Kritiker dem ihr vertrauen könnt, eine Kritik zu Watchmen. Gleich zu Beginn: Ich war schon vor dem Kinobesuch voreingenommen. Zack Snyder begeisterte mich schon mit Dawn of the Dead und 300, und da das alle Filme sind, die er gemacht hat, liegt seine Erfolgsquote damit bei 100%. Zuletzt noch ein kleiner Hinweis: Ich habe den Comic, wie wahrscheinlich die meisten der Zuschauer, nicht gelesen.

Inhalt:
Das Jahr 1985: Richard Nixon steht am Beginn seiner fünften Amtszeit (Ein sehr republikanerfreundlicher Film, wenn eine falsch gelaufene alternative Realität mit einer fünften Amtszeit Nixons dargestellt wird) und der Kalte Krieg ist in vollem Gange. Seit den 30er Jahren bekämpften Superhelden das Verbrechen, bis schließlich durch den Keegan-Act in den 70er die maskierten Rächer verboten wurden. Die Meisten, so wie Nightowl II oder Silk Spectre II (Ihre Vorfahren sind schon längst im Ruhestand), zogen sich zurück, einige aber, so wie der blutgierige Comedian oder der durch einen Unfall zu Superkräften gekommene Dr. Manhatten blieben im Dienst der Regierung. Ozymandias, der intelligenteste Mann der Welt, ließ die Maske offen fallen und machte durch Merchandising ein Vermögen. Allerdings gibt es da noch Rorschach, der auf eigene Faust und mit brutalen Methoden das Verbrechen zu bekämpfen sucht, und, ganz nebenbei bemerkt, die coolste Sau von allen ist.
Die Geschichte beginnt mit dem Mord am Comedian. Was die Polizei schnell als Raubmord abstempelt, erregt bei Rorschach Verdacht, der schnell eine riesige Verschwörung gegen alle Superhelden wittert. So macht er sich auf um Unterstützung von den anderen Superhelden zu bekommen, die jedoch alle konsequent ablehnen. Erst nach einem Attentat auf Ozymandias glauben auch andere, dass da etwas Faul ist…

Schauspieler:
Die schauspielerische Leistung zu bewerten, ist bei einem solchen Film teilweise besonders schwer. Während Dr. Manhatten schlicht und ergreifend ganz einfach ein emotionsloser Typ ist, kann ich mir Rorschach nicht anders als einfach nur saucool vorstellen. Ausgesprochen positiv ist mir nur der Comedian alias Jeffrey Dean Morgan aufgefallen. Dieser Schauspieler ist allerdings auch ein Phänomen: Vor 2-3 Jahren tauchte er, zumindest so wie ich es wahrgenommen habe, einfach so aus dem Nichts in Nebenrollen wie in Grey’s Anatomy auf, und verbreitete sich dann rasant über Serien und Kinofilme.

Kritik:
Gleich zu Anfang kann der Film mit einem großartigen Anfang Punkte machen, denn nachdem der Comedian getötet wurde, folgt eine großartige Montage mit den verschiedensten Szenen der Superheldengeschichte, das alles dann noch unterlegt mit Bob Dylans „The Times They Are A-Changin“. Danach ist man perfekt auf die düstere Welt des Films eingestimmt und spätestens hier weiß man: Das ist keine typische Superheldenverfilmung. Watchmen orientiert sich mehr am Film Noir und wirft viele philosphische Fragen auf, was allerdings im Gegensatz zu The Dark Knight hier glaubwürdig und ohne dass der moralische Hammer einen praktisch aus der Leinwand heraus erschlägt geschieht. Wer also auf schnelle Action Kost á la Hulk oder Spiderman aus ist wird bitterlich enttäuscht.
Das erstaunliche ist, dass es Snyder schafft, diesen wilden Genremix aus klassischer Kriminal-Verschwörungsgeschichte und Superheldenstory glaubwürdig darzustellen. Naja, zumindest bis auf einen Punkt: Die Gewalt. Glaubt mir wenn ich sage, dass ich mir nie hätte träumen lassen, einmal übertriebene Gewalt in einem Film kritisieren zu müssen, das ist ein persönlicher Tiefpunkt. Aber während ich Ozymandias und Rorschach (hach, Rorschach) diesen übertriebenen Gewalthang noch durchaus zutraue, gibt es eine Szene, in der Nightowl II und Silk Spectre II eine Bande Gangster aufreiben. Und hier kann ich dem nachdenklichen, eher pazifistischen Nightowl und der ebenso friedlich wirkenden Silk Spectre einfach nicht abkaufen, dass sie sich praktisch von einer Sekunde zur anderen zu brutalsten Arm- und Beinbrüchen verleiten lassen, das passt irgendwie nicht zu ihrem Charakter.
Nun zu einem anderen Thema: Dem Filmverlauf. Die erste Hälfte des Films nimmt sich ausgiebig Zeit um die Charaktere und die Welt von Watchmen genau zu beleuchten. Der Unfall, der Dr. Manhatten Superkräfte verleiht hat wird mit der daraus resultierenden emotionalen Verwahrlosung genaustens geschildert, genauso wie das Zerbrechen seiner Beziehung zu Silk Spectre II. Die wiederum hat Probleme mit ihrer Mutter, die einst fast vom Comedian vergewaltigt wurde, aber dennoch in Trauer wegen seines Todes ist. Dann haben wir da natürlich noch Nightowl II, der seit dem Keegan Act in Einsamkeit lebt und alten Zeiten nachtrauert. Diese Subplots summieren sich erst in der zweiten Hälfte des Films zu einem großen Ganzen, und jetzt nimmt der Film auch an Fahrt auf. Hier kommt die Verschwörung richtig in Gang, und gerade wenn man denkt, man hätte den Twist des Films verstanden, kommt der zweite Twist daher. So schafft es der Film, einen zufrieden, aber dennoch mit einem mulmigen Gefühl ob der am Schluss des Films aufgeworfenen Frage, aus dem Kinosaal zu entlassen.
So, ich habe nach höchsten professionellen Maßstäben der Kritikerzunft meine Meinung zum Film dargelegt, Zeit etwas subjektiver zu werden: Rorschach!
Eins ist sicher: Zu den beiden coolsten Typen der modernen Filmgeschichte, Vin Diesel als Riddick und Jason Statham als Transporter, gesellt sich jetzt Jackie Earle Haley als Rorschach. Ein eiskalter Typ, dessen Stimme einen schon bei den ersten Worten seines von ihm vorgelesenen Tagebuchs vollkommen für sich vereinnahmt. Die dramatische Geschichte rund um seine gnadenlose Einstellung gegenüber Verbrechern beeindruckt genauso, wie die bedingungslose Loyalität zu seinen moralischen Vorstellungen, die er bis zum Schluss stets beibehält. Ohne Rorschach wäre dieser gesamte Film einfach nicht halb so gut geworden wie er jetzt ist. Und ihm kauft man letztendlich auch die Brutalität, die er an den Tag legt, ab.

Fazit:
Watchmen ist eine beeindruckende Geschichte und hätte das Potenzial zu einem moderner Klassiker. Jeder, der sich darüber im klaren ist, dass er keine typische Comicverfilmung besucht, müsste zufrieden aus dem Kinosaal schreiten. Dennoch gibt es da diese ein oder zwei Schwächen, das Gefühl, dass er nicht hundertprozentig perfekt ist. Ach ja, und natürlich hat der Film noch etwas, was andere nicht haben: Rorschach!

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