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„20 % auf Qualität“
by Kastenbrot

Ihr habt lang’ genug gewartet, dass ein Album erscheint!“ – Ach ne… das war was anderes. „Ich reduzier’ mich auf das Minimum!“ – schon eher. Denn das muss vorab gesagt werden: Mit seinem mittlerweile 10. Studioalbum erreicht der Prinz weder quantitativ – was jedoch bedeutend schlimmer ist – noch qualitativ das Level der Vorgängeralben.

Anfangs ist davon jedoch wenig zu hören. Neopunk beginnt mit einem Paukenschlag.
Super Seiajin“ ist fett produziert und strotz nur so vor mächtigen Wortspielen und ‘Dicke Eier Gehabe’ – ohne dabei jedoch auf das intelektuelle Niveau der Berliner Rapkollegen zu sinken.
Kaum anders verhält es sich da bei „8 Bit Untergrund„. Auch hier fällt als Erstes der untypisch basslastige Beat und die vergleichsweise harten Lyrics auf.
Schon jetzt ist klar: Neopunk ist kein übliches Prinz Porno Album.

Spätestens bei Track #3 wird das dem geneigten Hörer klar.
Man mag von der „Elektrowelle“, die gegenwärtig die Rapszene durchzieht denken, was man will – aber jedem Traditionalisten und Pornofan der ersten Stunde werden bei „Gib dem Affen Zucker“ die Tränen in den Augen stehen. Man kann es nicht anders sagen: Dieser Beat ist Techno der allerschlimmsten Sorte!

Na gut. Mal was anderes. Schließlich kommen experimenteller gestaltete Alben nicht immer schlecht an, wie man an Lil WaynesTha Carter III“ oder dem inzwischen legendären „Graduation“ von Rapgott Kanye West sehen kann.
Wer derartig gutmütig auf dem Album weiterhört, wird sogleich mit einer schallenden Ohrfeige belohnt.
Nerdhymne„, „Schlag Die Faust Gegen Die Wand“ (feat. Casper) und „Affen an Die Macht“ sind gleich drei schlechte Tracks in folge. und bilden den hörerlebnis-technischen Tiefpunkt auf Neopunk.

Der nächste uneingeschränkt hörbare Track ist zugleich ein (meiner meinung nach DAS) Highlight des Albums. In „2030“ besinnt sich der Prinz auf alte Tugenden und kritisiert die gegenwärtige Gesellschaft mit reichlich Wortwitz und Eloquenz. Bei dem Versuch sich auf die witzigen Reime über die Aushöhlung demokratischer Institutionen, Umweltzerstörung und den gesellschaftlichen Verfall, zu konzentrieren, könnte man fast überhören, dass 2030 auch der am besten produzierte Track der Platte ist. Klavirsamples, smoothe Bässe und eine Melodie (die ich bei einer Vielzahl der anderen Nummern schmerzlich vermisst habe!) lassen Hoffnung aufkommen.
Tragischerweise ist 2030 auch der einzige Song auf Neopunk, der es eventuell(!) schaffen könnte, einmal in einer Reihe mit Klassikern wir „Würfel“ oder „Keine Liebe“ zu stehen.

Überraschend positiv geht es mit „Aschenbecher“ weiter. Wieder eine smoothe, ruhige Produktion; wieder tolle Lyrics. Die Atmosphäre, die hier erzeugt wird, erinnert an die goldenen Zeiten von „Dunkle Sonne“ oder „Fluch der Besten“ – wird jedoch sonst nicht wieder erreicht.

Erwähnenswert sind nur noch zwei Tracks.
Da wäre ein mal „Schaedelficken“ (feat. Biztram).
Mir geht das nicht leicht über die Lippen (oder eher die Finger) – aber eine solch unterirdische Qualität was Produktion, Flow und selbst Lyrics angeht, bekommt man großteils nicht mal bei den Kollegen von Aggro Berlin zu hören! Ein absolutes „No Go“ um es in der Sprache der GNTM-Juroren zu sagen.
Umso unverständlicher wird dieser Totalausfall, wenn man beachtet, dass das überdurchschnittliche „Wir Bleiben Immer Anti“ ebenfalls ein Biztram Feature enthält. Zwar ist der flow hier ebenfalls missing in action, dafür punktet Pi hier mit witzigen Lyrics („Ich sag’, Mr.Nice war mein Ziehvater, und ich will 20% auf alles, auch auf Tiernahrung“ / „Dieter mach’s wie Rubbelloskäufer, los, kratz’ ab„) und einem funkigen Beat.

Abschließend kann man sagen, dass Neopunk eines der wohl schlechtesten Alben von Prinz Pi ist.
Die wenigen Highlights (8 Bit Untergrund, 2030, Aschenbecher) können nicht über die erschreckende Mittelmäßigkeit der Meisten Tracks (z.B. Kann Es Sein, Bevor Ich Aufschlage, Ein Bizchen Mehr) und die fatalen Totalausfälle (z.B. Nerdhymne, Affen an Die Macht, Schaedelficken) hinwegtäuschen.
Egal wie oft man das Album auch mit gutem Willen durchhört, es bleibt der Eindruck, der Prinz hat sich dieses mal tatsächlich auf das Minimum reduziert – dabei jedoch keine 20% hingekriegt. Die kriegt wie wir wissen nur Chuck Norris.

3 von 5 Toastern

Anmerkung: Wurde um 1 Toaster von 2/5 aufgewertet!