Casino Royale

Sinnvoll aufgebauter Actionfilm, aber kein Bond
(by Pfirsich)

So, nach mehrwöchigem Boykott eines blonden Bonds musste ich mich schließlich doch entschließen, dem Film zumindest einmal eine Chance zu geben. Ich ging also ins Kino, setzte mich auf meinen Sitz und begann mit Erwartungen nahe null mir einen doch ganz guten Actionfilm anzusehen…

Der Hauptdarsteller
Das erste was ich bemerke: Daniel Craig kommt nicht gut als Bond rüber. So wie in diesem Film mit den alten Filmregeln zu brechen und dann auch noch einen neuen Darsteller einzuführen, erscheint mir wenig vorteilhaft, Pierce Brosnan hätte Bond besser darstellen können. Er hätte cooler und vor allem eleganter gewirkt, was gut zum Casinoflair des Films gepasst hätte.

Die Bondgirls
Alles an diesem Film bricht mit alten Bond-Regeln. Auch die Bondgirls. Beide sehen sich um einiges ähnlicher als die Bondgirls anderer Filme, auch ist die erste nicht sehr lange mit von der Partie. Die Namen der beiden aber bleiben gewohnt ungewöhnlich, „Solange“ und „Vesper Lynd“ heißen die zwei schönen.

Der Bösewicht
„Le Chiffre“ heißt der gute Mann und auch er bricht mit bekannten Bondtraditionen. Am Anfang wirkt er typisch Bond: cooler Name und ein noch cooleres blutendes Auge. Doch der Bösewicht ist nicht übermächtig, er hat keine geheime Festung und außerdem sind auch seine Männer nicht überall. Der gute Mann wird sogar einmal überrascht und von einem,, unter erwähnten, afrikanischen Freiheitskämpfer überwältigt. Die größte Enttäuschung ist hier, dass Le Chiffre nicht von Bond getötet wird.
Meine Meinung: -.-

Der Film
Der Film beginnt – James Bond lauert einem Verräter auf – in einem (schwarzweißen) Bürogebäude. Nachdem wir in einer Sequenz gesehen haben, wie Bond sein erstes (sehr unschönes) Tötungsdelikt begangen hat, kommt noch ein cooler Spruch und auch der Herr Verräter ist nicht mehr. Solche hübschen Szenen prägen den ganzen Anfang von Casino Royale, der Film lässte sich gut in zwei Teile teilen.
Teil eins
Bis etwa zur Hälfte des Films, erleben wir mit James wie er dem Bösewicht Le Chiffre ausfindig macht. Dabei sehen wir eine Verfolgungsjagd, die gleichsam eine Hommage an die neue Trendsportart „Parcours“ zu sein scheint, eine Prügelei auf und in einem Flughafenfahrzeug und letztendlich auch das erste Bondgirl, das gegen Ende das zeitlich segnet.
Teil zwei
Nachdem Le Chiffre ein von uns vereitelter Aktienbetrug arg aufs Portmonee geschlagen hat, und das Geld das er verloren hat einem unliebsamen „Freiheitskämpfer“ gehört, will der Top Pokerspieler in einem Pokerturnier den Verlust wieder Wettmachen und James, der beste Pokerspieler von Mi6, ist wortwörtlich mit von der Partie. Die längeren Pokerspielszenen finde ich etwas fade, aber die guten Actionsequenzen und das Beziehungswirrwarr mit unserer zweiten Schönheit, einer Beauftragten vom Schatzamt mit dem Namen Vesper Lynd, sowie die überraschende Wendung am Schluss machen das meiner Meinung nach wieder wett.

FAZIT:
Was mir am neuen Bond gefallen hat: Das erste mal erschließen sich mir die Zusammenhänge alle, ich frage mich kein einziges mal „Was sucht Bond nochmal da?“. Gute Actionssequenzen und ein durch Daniel Craig realistisch gespielter Protagonist mit viel Emotion zeichnen den Film aus.
Was mir nicht gefallen hat: Es ist einfach kein Bond. Daniel Craig ist meiner Meinung einfach nicht cool genug für James Bond. Er wirkt mehr wie eine Haudraufmaschiene als wie ein smarter, intelligenter 007. Ansätze an ein Bondauto sind zwar vorhanden, doch lediglich ein kleines Geheimfach reicht einfach nicht für ein Geheimagentenauto á la 007. Moneypenny fehlt außerdem komplett.

Letztendlich würde ich dem Film, für sich genommen, durchaus 4,5 von 5 Toastern geben können – er ist spannend und unterhält sehr gut. Allerdings habe ich mich dazu entschieden, einen Toaster abzuziehen, da der erwartungsvolle Bondliebhaber enttäuscht wird.

3,5 von 5 Toastern